Der günstigste Warenkorb lohnt sich nur, wenn die zusätzliche Fahrt weniger kostet als der Preisvorteil bringt. Deshalb sollten Sie Gesamtpreis und Entfernung gemeinsam vergleichen, bevor Sie sich für einen zweiten Laden entscheiden.
1956 stand der niederländische Informatiker Edsger W. Dijkstra vor einer verwandten Frage: Wie findet man in einem Netz aus vielen möglichen Verbindungen zuverlässig den kürzesten Weg? Als Beispiel betrachtete er eine Strecke zwischen Rotterdam und Groningen. Die Antwort war damals keineswegs selbstverständlich, denn mit jeder zusätzlichen Verbindung wuchs die Zahl der möglichen Wege.
Dijkstra entwickelte daraus den später nach ihm benannten Algorithmus. Er prüft nicht wahllos jede denkbare Route. Stattdessen hält er fest, welcher bekannte Weg zu einem Punkt bisher am kürzesten ist, und erweitert die Suche Schritt für Schritt. Das Verfahren wurde zu einem Grundbaustein der Informatik. Dijkstra schilderte seine Entstehung später in einem Interview, das die Association for Computing Machinery dokumentiert hat.
Die entscheidende Frage lautete dabei immer: Was genau bedeutet „kürzester“?
Der niedrigste Kassenbon ist nur ein Teil der Rechnung
Am Küchentisch sieht die Sache zunächst einfach aus. Auf Ihrer Einkaufsliste stehen Milch, Brot, Kaffee, Waschmittel und ein paar Dinge fürs Abendessen. Ein Laden bietet den günstigsten Kaffee, ein anderer das Waschmittel im Wochenangebot. Verteilt man den Einkauf, fällt die Summe auf den beiden Kassenbons niedriger aus.
Doch der zweite Laden liegt nicht automatisch auf dem Weg. Vielleicht ist er nur wenige Minuten entfernt. Vielleicht bedeutet er eine Fahrt quer durch Köln, eine zusätzliche Parkplatzsuche und einen weiteren Gang durch einen vollen Markt. Aus einem Preisvorteil von ein paar Euro kann so ein schlechter Tausch werden.
„Am billigsten“ braucht deshalb eine klare Bezugsgröße. Geht es ausschließlich um die Preise im Regal? Oder um eine Einkaufsroute, die Preis, Entfernung und Zahl der Stopps zusammen betrachtet?
Das ist dieselbe methodische Lektion, die in Dijkstras Problem steckt: Ein Verfahren kann die beste Antwort nur für das Ziel finden, das zuvor sauber festgelegt wurde. Wer ausschließlich den Warenwert minimiert, bekommt möglicherweise eine umständliche Route. Wer ausschließlich den Weg minimiert, kauft bequem ein, lässt aber günstige Angebote liegen.
Wann der zweite Laden sinnvoll wird
Ein zusätzlicher Stopp verdient seinen Platz im Einkaufsplan, wenn drei Bedingungen zusammenkommen.
Erstens muss der Preisvorteil den gesamten Warenkorb betreffen. Ein einzelnes auffälliges Angebot sagt wenig darüber aus, wo Milch, Gemüse, Drogerieartikel und die übrigen Positionen zusammen am wenigsten kosten.
Zweitens muss der zweite Laden nah genug liegen. Befindet er sich ohnehin auf Ihrer Strecke oder nur einen kurzen Abstecher entfernt, bleibt mehr von der Ersparnis übrig. Eine deutlich längere Fahrt braucht einen entsprechend größeren Preisunterschied.
Drittens muss der Plan zu Ihrem Alltag passen. Wer nach der Arbeit schnell einkauft, bewertet einen zusätzlichen Stopp anders als jemand, der am Samstag mehrere Besorgungen in derselben Gegend verbindet.
Genau hier hilft ein steuerbarer Vergleich. Best Price Alert verwandelt Ihre Liste in verschiedene Einkaufspläne: eine günstige Ein-Laden-Variante und mögliche Aufteilungen auf mehrere Geschäfte. Die Pläne berücksichtigen reale Preise in Ihrer Nähe und zeigen die Entfernung neben dem Gesamtbetrag. Sie entscheiden selbst, wie viel Bequemlichkeit Sie für eine niedrigere Summe eintauschen möchten.
So wird aus „Lidl ist bei diesem Artikel günstiger“ eine brauchbarere Frage: Spart Lidl beim gesamten Einkauf genug, wenn der Weg dorthin mitgerechnet wird? Der Beitrag Wo kostet meine ganze Einkaufsliste diese Woche am wenigsten? zeigt, warum einzelne Aktionspreise diese Frage nicht beantworten.
Prüfen Sie den Unterschied, bevor Sie losfahren
Legen Sie vor dem Einkauf zuerst die vollständige Liste an. Vergleichen Sie dann mindestens zwei Varianten: den günstigsten Einkauf mit einem Stopp und die beste sinnvolle Aufteilung auf zwei Läden.
Schauen Sie anschließend auf die Differenz zwischen beiden Summen. Dieser Betrag ist Ihr Spielraum für den zusätzlichen Weg und die zusätzliche Zeit. Liegen die Geschäfte dicht beieinander, kann schon ein überschaubarer Preisvorteil genügen. Liegt der zweite Markt weit außerhalb Ihrer üblichen Strecke, muss die Ersparnis deutlich höher ausfallen.
Setzen Sie außerdem eine persönliche Grenze. Vielleicht kommt ein zweiter Laden für Sie nur infrage, wenn er nahe liegt. Vielleicht nehmen Sie einen weiteren Weg in Kauf, wenn mehrere teure Artikel dort günstiger sind. Die richtige Grenze ist keine allgemeine Zahl. Sie hängt von Ihrer Strecke, Ihrem Verkehrsmittel und Ihrem verfügbaren Zeitfenster ab.
Wie stark eine Fahrt den vermeintlichen Vorteil verändern kann, zeigt auch Die 18 Euro im Tank, die Ninas 20 Euro Ersparnis fast auffraßen.
Dijkstras Verfahren wurde berühmt, weil es eine klar definierte Strecke systematisch bewertet. Für den Wocheneinkauf gilt dasselbe Prinzip in kleinerem Maßstab: Legen Sie zuerst fest, was für Sie zählt, und vergleichen Sie danach die möglichen Wege.
Der beste Einkaufsplan hat selten den auffälligsten Einzelpreis. Er bringt den gesamten Warenkorb günstig nach Hause, ohne dass der zweite Stopp die Ersparnis wieder aufzehrt.
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