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Ob der nächste Lidl für Ihren Münchner Einkauf am günstigsten ist, entscheidet sich am Gesamtpreis Ihrer Liste, nicht am Preis des Kaffees. Vergleichen Sie deshalb denselben Warenkorb mit Aldi und weiteren nahen Supermärkten, bevor Sie sich auf den vertrauten Weg festlegen.

1943 untersuchte der Mathematiker Abraham Wald an der Statistical Research Group der Columbia University beschädigte alliierte Flugzeuge. Die zurückgekehrten Maschinen zeigten viele Einschusslöcher an Flügeln und Rumpf. Dort zusätzliche Panzerung anzubringen, schien naheliegend.

Wald lenkte den Blick auf die Stellen ohne Treffer. Die untersuchten Flugzeuge waren schließlich zurückgekehrt. Maschinen mit Treffern an besonders empfindlichen Stellen fehlten in der Auswertung, weil sie den Heimflug vermutlich nicht geschafft hatten. Die später als klassisches Beispiel für Survivorship Bias bekannt gewordene Analyse ist unter anderem in M. Mangel und F. J. Samaniegos Fachaufsatz „Abraham Wald’s Work on Aircraft Survivability“ dokumentiert.

Beim Einkauf sind die Folgen weniger dramatisch, doch der Denkfehler hat dieselbe Form: Der auffällige Preis bekommt unsere Aufmerksamkeit. Was in der Betrachtung fehlt, kann die Entscheidung trotzdem kippen.

Der Kaffeepreis ist sichtbar, der Warenkorb bleibt im Hintergrund

Sie stehen in München vor Ihrem Wocheneinkauf. Kaffee ist bei Lidl günstig, vielleicht sogar der beste Preis unter den Angeboten, die Sie gesehen haben. Also wirkt die Sache entschieden: Liste einpacken, zum gewohnten Markt fahren, fertig.

Doch auf Ihrer Liste stehen außerdem Milch, Haferflocken, Tomaten, Nudeln, Waschmittel und Zahnpasta. Aldi kann beim Kaffee ein paar Cent teurer sein und beim restlichen Einkauf günstiger. Ein weiterer Markt in der Nähe kann einzelne Wochenangebote haben, die den Abstand noch einmal verändern. Der günstigste Blickfang muss deshalb nicht zum günstigsten Kassenbon führen.

Das ist der blinde Fleck des Einzelpreisvergleichs. Sie bewerten den Artikel, dessen Preis Ihnen aufgefallen ist, und behandeln ihn unbewusst als Stellvertreter für den ganzen Laden. Die übrigen Produkte werden erst an der Kasse sichtbar.

Die bessere Frage lautet: Wo kostet meine vollständige Liste diese Woche am wenigsten? Genau darum geht es auch im Beitrag Wo kostet meine ganze Einkaufsliste diese Woche am wenigsten?.

Vergleichen Sie Lidl und Aldi mit derselben Liste

Ein brauchbarer Vergleich beginnt mit identischen Anforderungen. Schreiben Sie zuerst auf, was Sie tatsächlich brauchen. Vergleichen Sie danach die aktuellen Preise und Wochenangebote für diese Liste bei den erreichbaren Märkten in Ihrer Umgebung.

Achten Sie dabei auf drei Ergebnisse:

  1. Welcher Laden bietet den günstigsten vollständigen Einkauf mit einem Stopp?
  2. Wie viel kostet die beste Aufteilung auf zwei Läden?
  3. Wie weit liegen die Märkte auseinander, und ist die zusätzliche Strecke die Ersparnis wert?

Best Price Alert erstellt aus Ihrer Einkaufsliste entsprechend gewichtete Ein-Laden- und Mehr-Laden-Pläne. Die Berechnung berücksichtigt reale Preise in der Nähe sowie die Entfernung. Sie bestimmen selbst, ob Bequemlichkeit oder ein niedrigerer Gesamtpreis stärker zählen soll.

Das Ergebnis kann den nächstgelegenen Lidl bestätigen. Es kann ebenso zeigen, dass Aldi für diese konkrete Liste vorne liegt. Manchmal spart eine Aufteilung auf zwei Märkte genug, um den Umweg sinnvoll zu machen. Manchmal bleiben nach zusätzlicher Strecke nur ein paar Cent übrig. Dann ist ein einziger Stopp die vernünftigere Wahl.

Ein zweiter Laden braucht eine ehrliche Rechnung

Eine kleinere Gesamtsumme rechtfertigt nicht automatisch eine zweite Fahrt. Zusätzliche Strecke kostet Zeit und kann Fahrtkosten verursachen. Wer wegen einer kleinen Differenz quer durch München fährt, tauscht möglicherweise einen sichtbaren Preisvorteil gegen einen größeren Aufwand.

Setzen Sie deshalb vor dem Vergleich eine persönliche Schwelle. Ein zweiter Stopp kommt nur infrage, wenn die Ersparnis den zusätzlichen Weg für Sie rechtfertigt. Diese Grenze darf an einem ruhigen Samstag anders ausfallen als nach einem langen Arbeitstag.

Auch die Lage der Märkte zählt. Zwei Geschäfte, die ohnehin auf Ihrem Weg liegen, sind etwas anderes als zwei entgegengesetzte Fahrten durch die Stadt. Preis und Entfernung gehören in dieselbe Entscheidung. Ein Plan, der lediglich den niedrigsten Warenwert nennt, lässt einen Teil der Rechnung offen.

Wie stark dieser Effekt werden kann, zeigt Die 18 Euro im Tank, die Ninas 20 Euro Ersparnis fast auffraßen.

Suchen Sie nach dem fehlenden Preis

Abraham Wald konzentrierte sich auf die Informationen, die in den zurückgekehrten Flugzeugen fehlten. Beim Supermarktvergleich lohnt sich derselbe gedankliche Schritt: Welche Preise fehlen in meiner Entscheidung, wenn ich nur den Kaffee betrachte?

Prüfen Sie den gesamten Bedarf, bevor ein besonders günstiges Produkt die Wahl des Ladens bestimmt. Nutzen Sie aktuelle Wochenangebote, aber rechnen Sie diese innerhalb Ihrer Liste. Vergleichen Sie einen bequemen Ein-Stopp-Einkauf mit einer möglichen Aufteilung. Beziehen Sie den zusätzlichen Weg ein.

Dann wird aus „Kaffee ist bei Lidl günstiger“ eine belastbare Entscheidung: „Diese komplette Liste ist bei Lidl, Aldi oder einer Kombination aus zwei nahen Märkten günstiger.“ Manchmal bleibt der vertraute Lidl die beste Wahl. Der Unterschied besteht darin, dass Sie es vor dem Einkauf wissen und nicht erst auf dem Kassenbon.

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