Ein belastbarer Vergleich von Aldi, Lidl und Rewe braucht 15 identische, mengenbereinigte Produkte und Preise aus derselben Angebotswoche. Für diese Woche liegen hier keine verifizierten Berliner Einzelpreise vor, deshalb wäre jede konkrete Gesamtsumme erfunden und könnte die behauptete Preislücke nicht belegen.
Donnerstagabend in Berlin: Die fiktive Jana steht mit einem zerknitterten Einkaufszettel vor dem Küchenschrank. Haferflocken, Milch, Butter, Eier, Äpfel, Bananen, Kartoffeln, Nudeln, Reis, passierte Tomaten, Naturjoghurt, Käse, Kaffee, Waschmittel und Toilettenpapier. Fünfzehn Dinge, die unspektakulär aussehen, bis am Monatsende jeder Euro zählt.
Jana will am Freitag nach der Arbeit einkaufen. Aldi liegt auf ihrem üblichen Weg, Lidl wäre ein kleiner Umweg, Rewe der bequemste Stopp. Sie könnte drei Prospekte öffnen und Preise abschreiben. Doch schon beim Kaffee beginnt das Problem: andere Packungsgrößen, verschiedene Marken, App-Preise und Angebote, die nur wenige Tage gelten.
Wenn sie falsch vergleicht, fährt sie für einen scheinbar günstigeren Warenkorb quer durch die Stadt und stellt an der Kasse fest, dass die Ersparnis nur auf dem Papier existierte. Der zweite Laden hätte dann ihren Feierabend gekostet, ohne den Einkauf spürbar günstiger zu machen.
Was bei einem fairen 15-Produkte-Vergleich gleich bleiben muss
Ein direkter Warenkorbvergleich beginnt mit einer festen Einkaufsliste. „Käse“ reicht dafür nicht. Verglichen werden müssen dieselbe Produktart, eine ähnliche Qualität und eine festgelegte Menge. Bei abweichenden Packungsgrößen zählt der Grundpreis.
Das gilt für alle 15 Positionen. Ein großer Joghurtbecher darf nicht einfach gegen einen kleineren gerechnet werden. Beim Waschmittel muss die Zahl der Waschladungen berücksichtigt werden. Bei Kaffee zählt der Preis je Kilogramm, bei Toilettenpapier mindestens eine vergleichbare Blattzahl und Papierqualität.
Auch die Preisquelle muss stimmen. Wochenangebote gehören in den Vergleich, sofern sie am geplanten Einkaufstag gelten. Preise mit besonderen Zugangsvoraussetzungen müssen entsprechend gekennzeichnet werden. Ausverkaufte Aktionsware darf nicht stillschweigend als sicher verfügbar behandelt werden, denn aktuelle Angebote sind keine Bestandszusage.
Erst danach entstehen drei belastbare Summen:
- der vollständige Warenkorb bei Aldi,
- derselbe Warenkorb bei Lidl,
- derselbe Warenkorb bei Rewe.
Fehlt ein vergleichbarer Artikel, gehört diese Lücke sichtbar in die Rechnung. Eine scheinbar vollständige Summe mit stillen Ersatzannahmen führt Jana genau zu jener falschen Sicherheit, die sie vermeiden möchte.
Warum der günstigste Laden nicht automatisch den günstigsten Einkauf liefert
Die Unterschiede stecken selten nur in einem auffälligen Angebot. Ein Laden kann bei Butter, Kaffee und Waschmittel vorne liegen, während der Rest des Korbs dort mehr kostet. Ein anderer hat vielleicht keinen spektakulären Einzelpreis, ist über alle 15 Positionen aber günstiger.
Deshalb hilft die Frage „Wo ist Kaffee diese Woche im Angebot?“ nur begrenzt. Entscheidend ist: „Was kostet meine ganze Liste dort?“
Jana überträgt ihre Liste deshalb in einen Vergleich mit aktuellen Preisen aus ihrer Umgebung. Sie sieht die vollständigen Ein-Laden-Pläne und mögliche Aufteilungen auf zwei Geschäfte. Zu jeder Variante gehören Gesamtpreis und Fahrtstrecke. So kann sie bestimmen, wie viel Bequemlichkeit ihr ein paar Euro wert ist.
Das ist der Wendepunkt. Der Einkauf muss nicht mehr auf einem Bauchgefühl wie „Aldi ist meistens günstiger“ beruhen. Jana kann vor dem Losgehen sehen, ob die Preislücke im gesamten Korb steckt oder nur in einzelnen Angebotsartikeln.
Ein solcher Vergleich darf allerdings nur dann „diese Woche“ heißen, wenn alle verwendeten Preise aktuell und nachvollziehbar sind. Best Price Alert verarbeitet laufende Wochenangebote und Katalogpreise, doch eine hier abgedruckte Tabelle ohne verifizierten Preisstand würde schnell veralten. Die ehrliche Lösung ist eine datierte Momentaufnahme aus dem tatsächlichen Vergleich, keine nachträglich passend gemachte Musterrechnung.
Wann sich zwei Geschäfte wirklich rechnen
Angenommen, einzelne Positionen sind bei Lidl günstiger, während Aldi beim übrigen Warenkorb vorne liegt. Dann ist die Differenz zwischen zwei vollständigen Ein-Laden-Plänen erst der Anfang. Für eine Aufteilung müssen zusätzlich Strecke, Zeit und die Zahl der umzuladenden Einkaufstaschen betrachtet werden.
Eine kleine Ersparnis kann vernünftig sein, wenn beide Läden ohnehin nebeneinanderliegen. Dieselbe Ersparnis verliert ihren Reiz, wenn der zweite Stopp einen deutlichen Umweg verlangt. Wer diese Entscheidung genauer prüfen möchte, findet im Beitrag Lohnt sich ein zweiter Stopp für den günstigeren gesamten Warenkorb? die passende Rechenlogik.
Drei Geschäfte machen die Rechnung noch empfindlicher. Mehr Teilstrecken, zusätzliche Parkplatzsuche und ein weiterer Kassiervorgang können einen kleinen Preisvorteil aufzehren. Maras dritter Laden zeigt, warum die niedrigste Summe nicht immer der beste Plan ist.
Was Jana am Freitag tatsächlich anders macht
Kurz vor dem Einkauf entscheidet Jana sich für den Plan, bei dem Preis und Weg für sie zusammenpassen. Sie fährt nicht automatisch zum Händler mit dem günstigsten Image. Sie folgt der Variante, die ihre vollständige Liste für diese Woche am sinnvollsten abdeckt.
Damit ist auch die eigentliche Behauptung sauber eingegrenzt: Die Preislücke zwischen Aldi, Lidl und Rewe lässt sich zeigen, aber nur mit aktuellen, gleichartigen Artikeln und einem sichtbaren Zeitstempel. Ein einzelner Berliner Wochenkorb beweist eine Momentaufnahme. Wiederholt man denselben Vergleich über mehrere Wochen, lässt sich erkennen, ob ein Abstand bestehen bleibt oder durch wechselnde Angebote entsteht.
Janas Freitag endet deshalb nicht mit drei Kassenbons und einer nachträglichen Überraschung. Noch bevor sie die Wohnung verlässt, kennt sie die verfügbaren Pläne, ihre jeweiligen Gesamtsummen und den zusätzlichen Weg. Der zerknitterte Zettel bleibt zu Hause. Ihre Entscheidung steht bereits fest.
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